1000sm Qualifier – Teil 2

Es ist Freitag früh, wir haben um 1 Uhr morgens den Pt. de Raz bei Gegenstrom passiert, jetzt weht der Wind exakt aus Richtung des Point de Penmarc’h, der Landspitze welche das südliche Ende der Bucht von Audierne darstellt. Nach einem kurzen Schlag in Richtung Audierne schlägt bei mir die Müdigkeit zu und ich wende in Richtung offener See um ein wenig zu schlafen. Der Autopilot ist im Windmodus und steuert dem scheinbaren Windwinkel nach, ein Modus der gut für maximale Geschwindigkeit ist, aber bei Winddrehern blöd ist weil das Boot entsprechend mit dem drehenden Wind mitfährt. Genau das passiert mir diese Nacht, ich verschlafe (wörtlich) einen 30 Grad Winddreher und fahre zeitweise nach Nordwest bis ich den Fehler bemerke.

Bei Sonnenaufgang passiere ich den Point de Penmarc’h und der Wind dreht zurück, jetzt müsste ich eigentlich den direkten Kurs auf das Plateau de Rochebonne vor La Rochelle nehmen doch mein Wendewinkel ist bei flauem Wind und großen Wellen so ungünstig dass ich stattdessen auf dem anderen Bug in Richtung Îles de Glénan fahre bis nachmittags endlich ein Winddreher und etwas mehr Wind kommt.
Die Küstennähe nutze ich um per Handy einen Wetterbericht abzuholen der mir für den Abend und die Nacht 20 bis 25 Knoten aus Südwest, morgens dann Süd ansagt. Das klingt nicht schlecht, zumindest Südwest würde einen Reach unter Fock bedeuten also fahre ich gen Süden und halte mich etwas rechts der Linie um ein wenig Puffer zu haben falls der Wind tatsächlich auf Süd drehen sollte. Der Wind nimmt zu, bleibt aber auf Südwest und bereits am nächsten Morgen um sechs Uhr runde ich das Plateau de Rochebonne, 4 Stunden bevor es mir das Routing vorausgesagt hatte. Die Nacht war bis auf einige Frachtschiffe ereignislos und ich komme dazu Schlaf zu tanken während wir mit 7 bis 8 Knoten vorankommen.

Als die letzte Tonne des Plateau de Rochebonne gerundet ist kann ich abfallen und setze den mittleren Spi, mit absolutem Traumsegeln: Sonnenschein, 16-20kn Wind der leicht auf Süd dreht. So rauschen wir mit 10 Knoten und schönen Surfs an der Südküste der Île de Ré vorbei in Richtung La Rochelle.
Eine Halse, dann weiter unter Spi zur Brücke, da steigt mir der Hochmut ein wenig in den Kopf und ich fahre mit Spi unter der Brücke durch. Ein Fehler denn noch zwischen den Brückenpfeilern muss ich die Spischot loswerfen: ein Düsen-Effekt sorgt dafür dass auf der Nordseite der Brücke 20 Knoten wehen und so berge ich keine 5 Meter hinter der Brücke den Spi und am Wind geht es an der Nordküste der Île de Ré wieder nach Nordwesten.

Der letzte offizielle Wegpunkt meiner Qualifikation ist jetzt gerundet und ich bin guter Dinge: nur noch 100 Meilen zu segeln.
Kaum liegt die Île de Ré hinter uns kann ich erst die Code5, dann den großen Spi setzen und wir fahren mit 5 Knoten in die Abenddämmerung hinein, im Kopf rechne ich bereits meine Ankunftzeit in Lorient aus.

Nach einigen Begegnungen mit Fischerbooten vor Les Sables d’Olonne die etwas zu nah für meinen Geschmack waren habe ich das Meer wieder für mich und fahre unter Spi in die Dunkelheit, dann flaut der Wind immer weiter ab und schließlich habe ich absolute Flaute, wieder mal. Die Nacht verbringe ich unter Deck auf meinem großen Spi schlafend, stelle mir aber für alle 30 Minuten den Wecker um zu sehen ob es Wind gibt. Doch es wird eine schlafreiche Nacht: erst morgens um 7 kommt ein Wind von 1-2 Knoten auf mit dem wir langsam wieder vorankommen.
Kurz danach kann ich den Spi wieder setzen und wir haben noch einmal traumhaftes Segeln: großer Spi, 12-15kn Wind, so kommen wir wieder mit 6-7 Knoten voran und können die Frachter die nach St. Nazaire ein- und auslaufen entspannt passieren.

Wir haben einen Anlieger zwischen Belle Île und Île de Quiberon direkt auf Lorient zu, die Sonne scheint, ich öffne meine letzte beste Verpflegung da schlägt die Flaute wieder zu. Es werden nervenzerreissende Stunden die ich südlich von Belle Île treibe, kein Windhauch weit und breit, keine Wolken und das Ziel Lorient zum greifen nah. Schlecht gelaunt kommentiere ich die Situation in meine GoPro und überlege mir ein anderes Hobby zu suchen.

Erst gegen Abend kommt ein wenig Thermik auf, der Wind kommt natürlich direkt aus Richtung Lorient: Also noch einmal eine letzte Kreuz mit eiskaltem Wind durch die Nacht, dann mache ich endlich morgens um sechs Uhr im Hafen von Lorient fest – 8 Tage und 17 Stunden nachdem ich ihn verlassen hatte.

Hier noch paar Impressionen vom Qualifier. Einige Fotos sind aus Videos rausgeschossen in denen ich was erzähle, daher manchmal die etwas komischen Grimassen.

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